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Schwabenpower im Neuffener Tal

TTC kündigt Tan Rui Wu fristlos!

Posted by ttcfrickenhausen - Januar 11, 2010


Bericht in der Nürtinger Zeitung vom 09.01.2010 ( UWE BAUER)

Fristlose Kündigung: TTC hat Tans Faxen dicke

Besinnliche Weihnachtsfeiertage waren es nicht, die Rolf Wohlhaupter-Hermann und die führenden Köpfe des TTC Frickenhausen verbringen konnten. Tan Ruiwu, der Topspieler im Neuffener Tal, hat den TTC-Granden die Festtagslaune gewaltig versaut. „Im schlimmsten Fall steigen wir ab“, malt der TTC-Präsident den Teufel an die Wand. Manager Jürgen Veith ist dagegen überzeugt, dass sich alles zum Wohlwollen des TTC klärt.

Am 19. Dezember war die Welt beim TTC Frickenhausen noch in Ordnung. Bei der Weihnachtsfeier herrschte eine prächtige Stimmung. Tan Ruiwu kündigte an, die Feiertage in Kroatien mit chinesischen Freunden verbringen zu wollen, flüsterte beim Abschied aber Chen Hong, der Ehefrau von Trainer Jianxin Qiu, ins Ohr, in der Rückrunde eventuell nicht mehr für die Schwaben spielen zu wollen.

So richtig ernst nahm’s wohl keiner, doch drei Tage später hatten die Frickenhäuser Verantwortlichen nach einem Anruf aus Marokko Gewissheit – Tan war nicht in Kroatien, sondern nach Nordafrika gereist, um in der 500 000-Einwohner-Stadt Tétouan bei den 21. arabischen Vereinsmeisterschaften dem saudi-arabischen Meister Al Ittihad Jeddah zum Titel zu verhelfen. Adel Massad, ehemaliger Bundesliga-Profi beim TTC Jülich und jetzt Manager beim späteren Sieger El Ahly Club Kairo, hätte sich selbst gerne die Dienste Tans gesichert, was aber nicht klappte. Als er bemerkte, dass der Chinese mit kroatischem Pass beim schärfsten Rivalen aufgeboten wurde, informierte er den TTC Frickenhausen.

30 Telefonate an Weihnachten waren für die Katz’

Im Neuffener Tal waren die TTC-Macher wie vor den Kopf gestoßen, denn sie wussten, was auf sie zukommen konnte, wenn Tan tatsächlich für die Saudis aufschlagen würde. Manager Veith und Trainer Qiu setzten alle Hebel in Bewegung, um dies zu verhindern. Die Telefondrähte glühten. Noch am ersten Weihnachtsfeiertag – „Max“ Veith war grade auf dem Weg zum Welt-Weihnachtszirkus – flehte der TTC-Manager seinen saudiarabischen Kollegen an, Tan bloß nicht spielen zu lassen. „Ich habe rund 30 Telefonate geführt“, sagt Veith. Vergebens, Tan Ruiwu spielte.

Laut Reglement ist dies bei diesem Wettbewerb möglich. Jeder Verein darf einen fremden Spieler einsetzen. Unter zwei Voraussetzungen allerdings: Der nationale Verband des Vereins, für den der Akteur eingesetzt werden soll, also der saudi-arabische, muss für die Dauer des Wettbewerbs die Spielberechtigung erteilen, und der Nationalverband, für den der Spieler international spielt, also der kroatische, muss eine Woche vor dem ersten Match ebenfalls seine Zustimmung geben. Ist dies nicht der Fall, droht dem TTC Frickenhausen der Abzug aller Punkte, die unter Mitwirkung Tan Ruiwus erspielt worden sind. Das besagt die Wettspielordnung der Deutschen Tischtennis Liga.

Dass diese Aussichten dem TTC-Präsidenten Rolf Wohlhaupter-Hermann die Zornesröte ins Gesicht getrieben haben, kann man durchaus verstehen. Er sieht sein Lebenswerk in Gefahr. Der TTC würde ohne Pluspunkt ans Tabellenende rutschen. Für RWH wär’s der größte anzunehmende Unfall. „Tan hat Mist gebaut und gelogen, dass sich die Balken biegen“, sagt RWH voller Wut und Enttäuschung, „das würde für uns den Abstieg bedeuten.“ Seit 1995 gehört der TTC ununterbrochen der deutschen Eliteliga an.

Manager Veith: „Man kann uns nichts vorwerfen“

Doch so weit ist es ja noch nicht. Der Verein hat sofort reagiert, Tan noch an Heiligabend fristlos gekündigt und ihn aufgefordert, bis zum 15. Januar seine Wohnung zu räumen und sein Fahrzeug zurückzugeben. Am 28. Dezember wurde der gesamte Vorgang an den Deutschen Tischtennis Bund (DTTB) weitergeleitet und mitgeteilt, dass der TTC das Verhalten Tan Ruiwus absolut nicht duldet. „Gottseidank haben wir ihm gekündigt, bevor er gespielt hat“, sagt Jürgen Veith nach den ziemlich hektischen Tagen, „wir haben alles getan, was wir tun konnten. Man kann uns nichts vorwerfen.“

Veith, nach achtjähriger Pause seit Sommer wieder für den TTC tätig, hat schon vieles mitgemacht. An ähnliche Turbulenzen kann er sich aber nicht erinnern. „Was ich im letzten halben Jahr mit Tan erlebt habe, das hat es zuvor in all den Jahren zusammen nicht gegeben“, sagt er und hofft, dass nun bald wieder Ruhe einkehrt. Wohlhaupter-Hermann, der seit heute beim Skifahren in Samnaun etwas Abstand gewinnen will, sagt: „Wir haben noch mit keinem solche Probleme gehabt wie mit Tan, und alles nur aus purer Geldgier.“ 50 000 Euro sollen es sein, die der 26-Jährige für seinen Einsatz bekommen haben soll. „Wir haben ihm mehrfach gesagt, dass er auf keinen Fall spielen darf, weil er sonst dem Verein schadet“, sagt RWH, der jetzt auch über eine Schadenersatzklage nachdenkt.

Frickenhausens Manager ist freilich zuversichtlich, dass sich alles zugunsten des TTC auflösen wird. „Das ist zwar eine kritische Phase für den Verein, aber ich bin überzeugt, dass wir nicht absteigen werden“, sagt Jürgen Veith, „die Mannschaft hat auch ohne Tan gezeigt, dass sie punkten kann.“ Veith glaubt, dass das Tälesteam in der Rückrunde so viele Punkte holt wie in der ersten Halbserie und um die Play-Off-Plätze mitspielen wird.

Zunächst einmal aber müssen die Details geklärt werden. Wurden die notwendigen Freigaben für Tan Ruiwu erteilt? Falls ja, würde sich „alles in Luft auflösen“, glaubt Wohlhaupter-Hermann. Falls nicht, rechnet der TTC-Präsident mit einem langwierigen juristischen Gerangel.

Jens Hecking, Spielleiter der DTTL, will dem nicht vorgreifen. Der DTTB sei dabei, alles zu überprüfen. „Es ist schwierig, von allen Beteiligten alle erforderlichen Informationen zu bekommen“, sagt Hecking, „ich gehe aber davon aus, dass nächste Woche eine Entscheidung getroffen werden kann.“ Der DTTL-Spielleiter hat auch den Weltverband ITTF informiert. Ein ITTF-Funktionär soll nämlich Tan mitgeteilt haben, dass er spielen dürfe.

Veith lässt sich seinen Optimismus freilich nicht nehmen. Der beruht auch darauf, dass er die DTTB-Chefetage und die Bosse der anderen DTTL-Klubs hinter sich weiß. Denn der einzigartige Vorgang in der Geschichte des deutschen Tischtennis offenbarte einen gravierenden Mangel in der Wettspielordnung. „Es kann nicht sein, dass ein einziger Spieler einen ganzen Verein ruinieren kann“, wettert RWH, „das ist eine schreiende Ungerechtigkeit, der TTC kann überhaupt nichts dafür.“ Und Veith fügt hinzu: „Wir haben der DTTL die Augen geöffnet, dass die Wettspielordnung geändert werden muss.“ Sonst seien „Minenlegern“ Tür und Tor geöffnet.

Der Fehler im System soll nun so schnell wie möglich behoben werden. Das habe beispielsweise auch Andreas Preuß, der Manager von Rekordmeister Borussia Düsseldorf, sofort zugesagt, sagen Wohlhaupter-Hermann und Veith. Eine Änderung kann laut Hecking jedoch nur der DTTB-Bundestag beschließen. Der tagt in der Regel nur einmal im Jahr. Der nächste ordentliche Bundestag findet im Juni statt, zuvor ist aber im März ein außerordentlicher Bundestag anberaumt, bei dem es noch einmal um die Strukturreform gehen soll. Vielleicht wird das Regelwerk dann schon thematisiert.

Das löst aber noch nicht alle Probleme, die der TTC Frickenhausen nun hat. Die fristlose Kündigung wirkt sich natürlich auf die Mannschaft des zweifachen Deutschen Meisters aus. Für Tan, der nun ja nicht mehr spielberechtigt ist, rückt Fabian Akerström nach. Das wiederum wirft die Zweite der Frickenhäuser im Titelrennen der Oberliga zurück. „Die Meisterschaft ist passé“, befürchtet RWH, „damit sind wir genug bestraft.“

Nicht ganz einfach könnte sich neben der Sponsorensuche auch die Zusammenstellung der Mannschaft für die Saison 2010/2011 erweisen. Allein schon deshalb ist den Frickenhäusern an einer schnellen Klärung des Sachverhalts gelegen. „Bastian Steger und Kenta Matsudaira werden sicherlich nicht in der Zweiten Liga spielen“, weiß Präsident Wohlhaupter-Hermann. Manager Veith ist sich indes sicher, dass „Zugpferd“ Steger und Matsudaira auch in der neuen Runde für den TTC an die Platten gehen werden – in der ersten Liga.

Am Dienstag, 26. Januar, startet der TTC mit dem Heimspiel gegen den schwäbischen Rivalen SV Plüderhausen in die Rückrunde. Dann wird sich zeigen, ob die Vorkommnisse Spuren hinterlassen haben.

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